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moBiel legt Jahresabschluss 2018 vor

Investitionen auf Rekordniveau | Foto: moBiel

03.07.2019 | 08:52

Fahrgastzahl überschreitet 60-Millionen-Grenze

Knapp 60,1 Millionen Fahrgäste nutzten im Jahr 2018 Busse und Bahnen von moBiel – der höchste Wert seit Inbetriebnahme der Stadtbahn 1991. Die moBiel-Verantwortlichen sind zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2018. Aber sie wissen auch, dass sich ihr Unternehmen in der wohl größten Umbruchsituation seit dem Stadtbahnstart vor fast 30 Jahren befindet. Der stetige Fahrgastzuwachs sowie die Megatrends Verkehrswende und Digitalisierung erfordern einen Aus- und Umbau des Angebots und damit hohe Investitionen.

Die Zahl der Fahrgäste stieg 2018 leicht um 0,3 Prozent und überschritt damit erstmals die 60-Millionen-Grenze (2017: 59,9 Mio.). 58 Prozent der Fahrten entfielen auf die Stadtbahn, 42 Prozent auf die 77 Buslinien. Eine wichtige Rolle bei diesem neuen Fahrgastrekord spielte neben der wachsenden Einwohnerzahl Bielefelds ein zunehmender Wertewandel in der Gesellschaft hin zu mehr Umwelt- und Klimaschutz auch bei der Mobilität.

„Immer mehr Bielefelderinnen und Bielefelder erkennen, dass unsere Busse und Stadtbahnen ihnen eine klimaschonende Mobilität ermöglichen“, ist moBiel-Geschäftsführer Martin Uekmann überzeugt. „Deshalb ist es wichtig und richtig, unser Angebot weiter auszubauen. Nur mit einem hochwertigen und flexiblen Nahverkehr können wir die Bürger zum Umsteigen bewegen – und so helfen, die städtischen Klimaschutz- und Umweltziele zu erreichen.“

Haltestellen als Mobilitätsdrehscheiben

Hierfür habe man im vergangenen Geschäftsjahr vieles auf den Weg gebracht, was 2019 oder in den Folgejahren das moBiel-Angebot noch attraktiver machen werde. Dies gelte für Linienausbaupläne, die Beschaffung neuer Vamos-Stadtbahnen und besonders sauberer Busse, aber auch für neuartige Mobilitätsformen, für die das flowBie-Konzept steht.

Uekmann: „Mit Stadtbahn und Bus allein werden wir den wachsenden Anforderungen an eine flexible Mobilität nicht mehr gerecht. Unsere Haltestellen müssen zu Drehscheiben werden, an denen der klassische Linienverkehr verknüpft wird mit Sharing-Angeboten für Autos, Räder und Roller, aber auch mit On-Demand-Verkehren, die Stadtbahn und Bus räumlich und zeitlich ergänzen können.“ Damit dies funktioniere, sei aber eine stärkere Digitalisierung unerlässlich. „Unsere Kunden können Alma und im Herbst auch Anton am bequemsten mit dem Smartphone nutzen – von der Prüfung der Verfügbarkeit bis zur Bezahlung.“ Uekmann ist sich sicher, dass die Fahrgäste diesen Weg mitgehen. Nicht zuletzt die wachsende Nutzung von digitalen Angeboten wie Handy- und Clipticket belege dies.

Immer mehr Kunden mit Dauerkarten und Cliptickets unterwegs

So habe man das im April 2018 eingeführte Clipticket in den ersten neun Monaten bereits 173.177 Mal verkaufen können. Im laufenden Jahr bis einschließlich Mai nutzten die Fahrgäste sogar schon 191.030 Cliptickets. Auch das Handyticket entwickelt sich positiv: Gab es im März 2018 noch 12.258 angemeldete Handyticket-Kunden, waren es Ende 2018 bereits 22.575 und im Mai 2019 sogar 30.515.

87,1 Prozent der moBiel-Kunden (2017: 85 Prozent) waren im vergangenen Jahr mit Dauerkarten in Bus und Bahn unterwegs. Die größte Kundengruppe mit 51,7 Prozent sind die Nutzer der verschiedenen Abo-Formen. Auf Rang zwei liegen die Schüler, Auszubildenden und Studierenden mit 30 Prozent. Einzel- und Vierertickets nutzten dagegen nur noch 9,2 Prozent der moBiel-Fahrgäste.

Umsatz leicht gesunken

Die Umsatzerlöse sanken im abgelaufenen Geschäftsjahr leicht um 1,5 Prozent auf 60,1 Millionen Euro (2017: 61 Mio. Euro). Die Einnahmen umfassten im Wesentlichen die Erlöse aus dem Fahrkartenverkauf, Ausgleichszahlungen für die kostenlose Mitnahme von Schwerbehinderten und die Ermäßigungen bei Auszubildenden-Tickets sowie dem Sozialticket vom Land und von Aufgabenträgern. Hinzu kommen sonstige Erträge wie Einnahmen aus erhöhtem Beförderungsentgelt und Sonderverkehren. Der Umsatzrückgang trotz gestiegener Fahrgastzahlen erklärt sich u.a. aus dem Verkauf der Westfalenbahn im Jahr 2017 und damit wegfallender Dienstleistungsaufträge, etwa für die Verkehrsleitstelle.
Die Kostenunterdeckung belief sich auf 22,1 Millionen Euro (2017: 20,7 Mio. Euro – bereinigt um den Sonderef-fekt des Westfalenbahn-Verkaufs) und war damit leicht besser (200.000 Euro) als geplant. Ein Ergebnis, auf das man bei moBiel durchaus stolz ist. Denn der mit Verdi erzielte Tarifabschluss zum 1. März fiel mit einem Plus von 3,19 Prozent höher aus als erwartet. Ein Gegengewicht hierzu bildeten die fortlaufenden Anstrengungen, Effizienzpotentiale zu nutzen.

Stadtwerke übernehmen Verkehrsverluste

Die Verkehrsverluste 2018 gleicht erneut das Mutterunternehmen Stadtwerke Bielefeld aus, so dass die Stadt Bielefeld hiermit nicht belastet wird. Uekmann, der auch Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld ist: „Diese Art der ÖPNV-Finanzierung, die bisher in Bielefeld eine Selbstverständlichkeit war, wird in vielen deutschen Städten schon lange nicht mehr praktiziert. Auch bei uns wird sie angesichts der sich ändernden Finanzlage bei den Stadtwerken bald nicht mehr durchzuhalten sein. Voraussichtlich 2021 wird sich erstmals die Stadt am Ausgleich der Verluste bei moBiel beteiligen müssen.“

Der Aufwanddeckungsgrad lag 2018 mit 75,1 Prozent leicht unter dem Wert von 2017 (76,4 Prozent). Dieser Wert besagt, dass moBiel Dreiviertel des betrieblichen Aufwands aus eigener Anstrengung decken konnte. Zum Vergleich: 1990, bevor der kostenintensive Stadtbahntunnel in Betrieb ging, lag dieser Wert bei 43 Prozent – bei nur 23,1 Millionen Fahrgästen.

Personal

2018 beschäftige moBiel 753 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stichtag: 31.12., Vorjahr: 704), darunter 433 Bus- und Stadtbahnfahrer (2017: 407). Im vergangenen Jahr kamen rund 65 neue Fahrerinnen und Fahrer zu moBiel. Auch im laufenden Jahr hat das Unternehmen bereits 70 Neueinstellungen (Stand Anfang Juni) für den Fahrdienst vorgenommen, sodass inzwischen 480 Personen die Busse und Stadtbahnen durch die Stadt bewegen. Das Unternehmen reagiert mit dem Personalaufbau auf die zum Jahreswechsel abgeschlossene Übernahme von Buslinien der BVO, aber auch auf den erhöhten Personalbedarf durch Verbesserungen des Angebots und durch Fluktuation. Nicht zuletzt die zahlreichen baustellenbedingten Umleitungen machen den Mehreinsatz von Bussen – und damit Fahrern – notwendig.

Investitionen auf Rekordniveau

Im Jahr 2018 investierte moBiel 42,8 Millionen Euro und damit fast dreimal so viel wie 2017 (15,4 Mio. Euro). Die Mittel flossen überwiegend in die Fahrzeugbeschaffung und den Bau eines neuen Betriebshofs in Sennestadt. Für die 24 bestellten Vamos-Stadtbahnen, die ab 2020 ausgeliefert werden, war eine erste Teilzahlung über 25,6 Millionen Euro fällig. Die Busflotte wurde u.a. wegen der Übernahme der letzten sieben BVO-Linien für 6,2 Millionen Euro um 22 umweltfreundliche Mildhybridbusse – 18 kurze und vier Gelenkbusse - erweitert. Diese Fahrzeuge sind besonders abgasarm und kraftstoffsparend und erfüllen die derzeit strengste Abgasnorm EURO VI.

Der Bau des im Dezember 2018 in Betrieb genommenen zweiten Betriebshofs in Sennestadt schlug im Berichtsjahr mit 7,3 Millionen Euro zu Buche. Insgesamt kostete das Vorhaben, das eine Buswerkstatt, eine Wasch-, Tank- und Abstellanlage umfasst, rund zwölf Millionen Euro. Der Neubau war notwendig wegen der wachsenden Zahl von Bussen und Stadtbahnen.

Für 2019 hat moBiel Investitionen von 54 Millionen Euro eingeplant. Für die neuen Stadtbahnen, deren Rohbau nach den Sommerferien startet, sind in diesem Jahr 25,5 Millionen Euro fällig. Weitere 6,1 Millionen Euro kosten achtzehn neue Busse. Die sechs kurzen und zwölf Gelenkbusse, die seit Ende Juni bis Ende August nach und nach ausgeliefert und betriebsbereit gemacht werden, dienen als Ersatz für ältere Fahrzeuge, die ausgemustert werden. moBiel hat dann insgesamt 109 Busse im Einsatz, die der EURO-VI-Norm entsprechen. 2020 schließt moBiel die Umstellung auf diese besonders sauberen Busse ab und ist damit deutschlandweit führend.

Weitere Millionenbeträge fließen in diesem Jahr in den seit April laufenden barrierefreien und Vamos-tauglichen Umbau der Stadtbahnlinie 3 in der östlichen Innenstadt und den Umbau des Betriebshofs in Sieker. Die Gleisanlage aus den 1970er Jahren muss erneuert und gleichzeitig auf die Unterbringung der neuen Vamos-Bahnen vorbereitet werden.

„Noch nie zuvor haben moBiel bzw. früher die Verkehrssparte der Stadtwerke so viel für einen attraktiven und leistungsfähigen Nahverkehr investiert wie zurzeit. Mit fast 100 Millionen Euro in zwei Jahren bewegen wir uns auf einem historischen Niveau“, bilanziert Geschäftsführer Uekmann. „Auch wenn viele unserer Maßnahmen über Programme von Bund und Land gefördert werden, sind die Herausforderungen für alle Beteiligten enorm. Die Finanzierung unserer Vorhaben stellt für moBiel, Stadtwerke, BBVG und Stadt einen riesigen Kraftakt dar.“ Und nicht nur das: Die vielen Investitionsvorhaben erforderten in großem Umfang planerische, Bau- und auch Genehmigungskapazitäten, die nicht leicht zu finden seien.

Dies gelte etwa für die Beschaffung von Brennstoffzellenbussen, deren Alltagstauglichkeit moBiel auf der Buslinie 29 erproben möchte. Hier sei man nach mehrjährigen Vorüberlegungen endlich soweit, dass man dieses Jahr die europaweite Ausschreibung starten könne. Einer deutlich steigenden Nachfrage seitens der Verkehrsunternehmen stünden hier nur geringe Produktionskapazitäten gegenüber.

Planungen für den Stadtbahnausbau gehen weiter

Viel Geduld benötige man auch bei den Planungen für den Ausbau der verschiedenen Stadtbahnlinien. Mit Hochdruck arbeiten die moBiel-Verkehrsplaner gemeinsam mit der Stadt, der BBVG und den Verantwortlichen in den Bezirken an der geplanten Ausweitung des Stadtbahnnetzes. Dennoch dauert es lange, bis konsensfähige Ausbaupläne auf dem Tisch liegen und verwirklicht werden können. So hat es mehr als zehn Jahre gebraucht, bis die kurze Verlängerung der Stadtbahnlinie 4 ins Dürkopp-Tor-6-Viertel jetzt endlich in Betrieb gehen kann.
Auch die Planungen für den Ausbau der Linie 4 im Campusbereich sowie für die Mobilitätslinie nach Sennestadt erfordern einen langen Atem. Diese Netzerweiterungen sind für die moBiel-Verantwortlichen aber ebenso unerlässlich wie die Anbindung Hillegossens an das Stadtbahnnetz. Sie betonen die Notwendigkeit, die Ausbauvorhaben angesichts des Klimawandels sowie wachsender Fahrgast- und Einwohnerzahlen voranzutreiben.

Geschäftsführer Martin Uekmann appelliert an die Bielefelder Politik, sich für einen zügigen Ausbau der Stadtbahn einzusetzen: „Die Stadtbahn ist und bleibt der – sehr klimafreundliche – Kern des Bielefelder Nahverkehrs. Angesichts einer größer werdenden Bevölkerung, der Notwendigkeit einer Verkehrswende und eines sich ändernden Mobilitätsverhaltens ist ihr Ausbau dringend erforderlich, um den Verkehrskollaps in Bielefeld zu vermeiden. Wenn die Bielefelder und Bielefelderinnen noch mehr bequeme und schnelle Stadtbahnverbindungen bis in die verschiedenen Stadtteile bekommen, werden sie eher umsteigen. Bisher hat jeder neue Stadtbahnabschnitt neue Fahrgäste für den Nahverkehr gewonnen. Das hat die Linie 2 nach Altenhagen genauso gezeigt wie früher schon die Linie zur Universität oder der Anschluss Stieghorsts an das Stadtbahnnetz. Wo sie hinkommt, nehmen die Bielefelder „ihre“ Bahn gern an. Die Akzeptanz ist da.“

Ausblick

Auch nach 2019 wird der Finanzbedarf moBiels wegen weiterer Aus- und Umbaupläne hoch bleiben. Zum einen habe die fortschreitende Digitalisierung des Angebots ihren Preis. Zum anderen stünde der Bau weiterer Hochbahnsteige auf der Hauptstraße, der Jöllenbecker Straße und auf der Oldentruper Straße an, um die Stadtbahn auch für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste noch leichter nutzbar zu machen. Der barrierefreie Einstieg ermöglicht es moBiel auch, auf das Ausfahren von Tritt stufen zu verzichten und so das Ein- und Aussteigen zu beschleunigen. Nicht zuletzt erfolgen die Umbauten so, dass anschließend der Vamos dort fahren kann.

Der moBiel-Geschäftsführer ist trotz des hohen Finanzbedarfs überzeugt: Sharing-Angebote wie die Alma-Elektroroller, On-Demand-Verkehre, Stadtbahnausbau, Brennstoffzellenbusse oder vermehrter Einsatz elektronischer Tickets sind der richtige Weg zu einer Verkehrswende in Bielefeld. „Wenn wir wollen, dass die Bielefelder mehr Wege mit Bus und Bahn zurücklegen, müssen wir Qualität und Schnelligkeit bieten. Und der Weg mit uns von Tür zu Tür muss einfacher werden. Deshalb ist es wichtig, neue Mobilitätsformen auszuprobieren und anzubieten, auch wenn nicht alles gleich rund läuft. Und wir müssen in enger Zusammenarbeit aller Beteiligten die Finanzierung des Nahverkehrs in unserer Stadt sichern. Wir stellen zurzeit viele Weichen für die Mobilität von morgen – und damit für ein lebenswertes, bürger- und wirtschaftsfreundliches Bielefeld.“

 

 

geschrieben von  Birgit Jahnke

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