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Gesamtanlagenstillstand in der MVA Bielefeld

An einem Kran hängt eine 25 Meter lange und 6,7 Meter breite Brücke
Eine neue Brücke wird im Bunker eingebaut. | Foto: Lisa Schöniger

21.06.2018 | 12:08

Zwei Wochen lang Sanierung und Wartung

Seit Montag, 18. Juni ist der Betrieb der MVA Bielefeld für circa 17 Tage unterbrochen, um eine turnusmäßige Wartung und Instandhaltungsarbeiten vorzunehmen. Dieser sogenannte Gesamtanlagenstillstand wird alle zehn Jahre nötig und wird in diesem Jahr bis voraussichtlich 4. Juli dauern.

Erneuerung der Krananlage

Während des Stillstands werden Modernisierungen, Reparaturen und Wartungsarbeiten durchgeführt, die während des laufenden Betriebs nicht möglich sind. Insgesamt investiert die MVA in dieser Zeit rund acht Millionen Euro in die Anlage, um diese auch zukünftig auf einem hohen technischen Niveau zu halten. „Der Stillstand ist ein hochkomplexes Projekt, bei dem viele kleine und große Einzelmaßnahmen ineinander greifen“, erklärt Betriebsleiter Thomas Pörtner. „Mit rund drei Millionen Euro ist die Erneuerung der Krananlage das größte Projekt.“

Die Krananlage dient dazu, den Abfall aus dem Müllbunker in die Kessel zu transportieren. Der Müllbunker verfügt über zwei Brückenkräne, welche beide nacheinander gegen neue ausgetauscht werden. Dafür wurde in den vergangenen Tagen das Dach des Müllbunkers geöffnet und ein rund 50 Meter hoher Mobilkran neben dem Müllbunkergebäude aufgebaut. Mit diesem wurde bereits die alte Krananlage aus dem Bunker gehoben und anschließend demontiert. Die neue Brücke des ersten der zwei Kräne, die heute eingebaut wird, hat eine Spannweite von 25,55 Metern und eine Breite von etwa 6,70 Metern. Sie besteht aus zwei Teilen und muss nach dem Einheben in den Bunker noch verschraubt werden. An jeder Ecke der Brücke befindet sich ein elektrisch angetriebenes Eisenbahnrad, das es später ermöglicht die Kranbrücke zu bewegen. Die neuen Antriebsmotoren der Brückenräder sind hocheffizient und gewinnen beim Bremsen Energie zurück. Sie ermöglichen außerdem schnellere Fahrzeiten des Kranes.

Mittig auf der Kranbrücke verläuft der Fahrweg der sogenannten „Krankatze“ über nahezu die gesamte Brückenlänge. An dieser Krankatze ist der Müllgreifer an vier Stahlseilen aufgehängt. Der Greifer wird während des Gesamtanlagenstillstands ebenfalls ausgetauscht. Der neue Greifer verfügt über ein größeres Volumen, so dass er bis zu acht Kubikmeter Müll je Hub bewegen kann. Außerdem wird die Hub- und Senkgeschwindigkeit erhöht.

Beide Erneuerungen sind für die MVA von Bedeutung, da durch das erhöhte Greifervolumen und die erhöhte Geschwindigkeit der Anlage mehr Müll in kürzerer Zeit im Bunker umgeschlagen und für die Verbrennung durchmischt werden kann. In den Spitzenlastzeiten der Müllkräne, wenn werktags die meisten Abfallanlieferungen erfolgen, ist dies besonders wichtig.

Fünf weitere Maßnahmen stehen parallel an

Eine wichtige Revision steht für den Wasser-Dampf-Kreislauf an. Hierbei werden Schieber, Ventile und auch Absperrarmaturen getauscht. Der Wasser-Dampf-Kreislauf wird normalerweise ununterbrochen genutzt und es kann in diesem Umfang daran nur gearbeitet werden, wenn die Abfallverbrennung komplett gestoppt ist.

Der Gesamtanlagenstillstand wird außerdem genutzt, um sieben Mittelspannungsschaltanlagen zu erneuern. Diese dienen der MVA zur Verteilung des Stroms, der für den Eigenbedarf benötigt wird. Zudem bekommt zeitgleich die Leittechnik ein Software-Upgrade. Die Leittechnik regelt den gesamten Verbrennungsprozess und sorgt zum Beispiel dafür, dass immer ein richtiges Brennstoff-Luft-Verhältnis in den Müllkesseln herrscht, um stets einen optimalen Verbrennungsprozess zu erreichen. Durch das Upgrade wird die Leittechnik funktional und sicherheitstechnisch auf den neuesten Stand gebracht. Eine weitere wichtige Maßnahme sind die vorbereitenden Arbeiten zur Installation eines dritten Fernwärmetauschers und einer vierten Fernwärmepumpe. Um auch zukünftig zu jeder Zeit die optimale Menge an Fernwärme in das Netz der Stadtwerke Bielefeld einspeisen zu können, ist es nötig, dass ein neuer Wärmetauscher und eine neue Pumpe errichtet werden.

Abfall wird nach Hameln umgeleitet

Der Müllbunker wurde bis zum Gesamtanlagenstillstand auf ein Minimum leer gefahren. Für die Zwischenzeit wurde auf dem Gelände der MVA Bielefeld eine Abfall-Umschlagstation errichtet. Sie befindet sich innerhalb der überdachten Abkipphalle der MVA auf einer befestigten Fläche und besteht aus drei Schwergewichtswänden aus Betonfertigsteinen in U-Form. Die Betonsteine der Wände sind durch ein „Legosteinsystem“ untereinander verbunden und somit gegen Verschieben gesichert.

Die angelieferten Abfälle werden noch am gleichen Tag mit Hilfe von Radladern zum Transport nach Hameln in größere Wechselcontainer umgeladen. Die Umschlagsmenge aus Bielefeld wird in circa 20 LKW pro Tag transportiert. Es handelt sich dabei um sogenannte Abrollcontainer-Fahrzeuge, die die höchste Transportkapazität aufweisen.

Die Kosten für den Betrieb der Umschlagsanlage sowie dem Weitertransport sind in den Betriebskosten der MVA integriert. Für die kommunalen Kunden hat der Gesamtanlagenstillstand keine finanziellen Auswirkungen.

Die Umschlagstation dient dazu den Abfall aus Bielefeld und dem Kreis Herford zur Müllverbrennungsanlage nach Hameln zu bringen. Alle anderen kommunalen Kunden, so zum Beispiel die Kreise Lippe, Höxter und Paderborn, transportieren ihren Müll direkt nach Hameln. Gewerbeabfalllieferanten wird ebenfalls die Möglichkeit eingeräumt Abfälle in Hameln anzuliefern. Durch die frühzeitige Planung müssen aufgrund des Gesamtanlagenstillstands nur maximal 20.000 Tonnen Abfall im Zeitraum des Gesamtanlagenstillstands umgeleitet werden. Dies beinhaltet die Umschlagsmenge aus dem Kreis Herford und der Stadt Bielefeld, die circa 5.000 Tonnen beträgt, sowie die Direkttransporte nach Hameln.

Die MVA in Hameln wird gemeinsam mit der MVA Bielefeld durch die Muttergesellschaft Interargem GmbH geführt. Interargem-Geschäftsführer Rainer Müller erklärt: „Wieder zeigt sich, welchen Vorteil wir bei der Interargem durch den Verbundbetrieb der beiden Anlagen in Bielefeld und Hameln haben. Trotz eines Gesamtanlagenstillstands in Bielefeld können wir die Entsorgungssicherheit in der Region Ostwestfalen-Lippe zu jeder Zeit sicherstellen.“

Die Interargem GmbH

Die Interargem übernimmt mit ihren beiden Verbrennungsanlagen in Bielefeld und Hameln eine zentrale Rolle für die thermische Behandlung und energetische Verwertung von Abfällen in der Region. Hauptgesellschafter der Interargem ist die Stadtwerke Bielefeld GmbH. Des Weiteren halten Kommunen und kreiseigene Gesellschaften aus der Region weitere Anteile. Der vorrangige Herkunftsbereich der Abfälle erstreckt sich auf Ostwestfalen-Lippe, das südliche Niedersachsen sowie die angrenzenden Regionen. Beide Verbrennungsanlagen verfügen dabei über modernste Anlagentechnik und effiziente Rauchgasreinigungsanlagen, mit denen die gesetzlichen Grenzwerte nicht nur sicher eingehalten, sondern deutlich unterschritten werden.

 

 

Daten im Überblick
TraglastTonnen13
Spannweitem25,55
Greifervolumenm38,0
Eigengewicht Greiferkg7.200
Umschlagleistung/KranTonnen/Stunde131
JahresmüllmengeTonnen/Jahrca. 400.000

 

 

 

geschrieben von  Lisa schöniger

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