rotes, herzförmiges Blatt vor gelb-grünem Hintergrund.

Mit Kraft und Wärme

„Für mich war immer die Stadtwerke Bielefeld Gruppe aufgrund der Aufgabenvielfalt und der Herausforderungen erste Wahl.“

Mit Friedhelm Rieke an der Spitze ist aus dem großen, eher sicherheitsorientierten Versorger-Schiff Stadtwerke eine erfolgreiche und kundenorientierte Dienstleistungsgruppe mit 2.500 Mitarbeitern und mit Spitzenwerten in der Kundenbindung geworden. Nach 36 Berufsjahren beginnt ein neues Kapitel für den Ostwestfalen.

Friedhelm Rieke wurde in Herford geboren und hat dort Abitur gemacht. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Bielefeld studiert und mit 24 Jahren im November 1982 bei den Stadtwerken Bielefeld begann er als 24-jährliger bei den Stadtwerken Bielefeld zunächst als Sachbearbeiter. Bald wurde er Assistent der Geschäftsführung und bereits von 1989 an Leiter verschiedener Bereiche („Öffentlichkeitsarbeit und Direktionssekretariat“, „Betriebswirtschaft und Organisation“, „Verkehr“, „Markt und Kunde“), bis er schließlich 1996 auf seinen ersten Geschäftsführerposten bei der MVA berufen wurde (bis 2003). Seit 2004 bis heute lenkt er in Doppelspitze (seit 2014 mit Martin Uekmann) als Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld die Bereiche Vertrieb, Marketing, Energiebeschaffung, Erzeugung, Entsorgung, IT, Abrechnung, Revision und Unternehmensentwicklung. Friedhelm Rieke ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.

Für meinReport hat Herr Rieke offen die Fragen der Redaktion beantwortet:

meinReport
Sie kommen aus einem klassischen Arbeiterhaushalt, haben studiert und sind mit 24 bei den Stadtwerken eingestiegen, wo Sie mit 31 Jahren bereits Bereichsleiter und mit 38 zum ersten Mal Geschäftsführer geworden sind. Was war Ihre Triebfeder für Ihren Erfolg?
Friedhelm Rieke
Bis heute hat mich zum einen fasziniert, dass wir wie ein normales Unternehmen professionell arbeiten und uns im immer schärfer werdenden Wettbewerb bei Strom und Gas behaupten müssen. Zum anderen sind wir als kommunales Unternehmen vor Ort ganz nah beim Kunden und erfüllen auch die Aufgabe der Daseinsvorsorge für den nicht kostendeckenden Betrieb von Bahnen, Bussen und Bädern. Diesen spannenden Spagat an verantwortungsvoller Stelle mitgestalten zu können, ist meine persönliche Triebfeder, wobei der Erfolg immer das Ergebnis einer motiviertenMannschaft ist und nicht der eines Einzelspielers.

meinReport
Sie sind in Herford geboren und haben Ihr gesamtes Berufsleben bei den Stadtwerken Bielefeld verbracht. Was hat Sie hier gehalten?
Friedhelm Rieke
Es hat einige Anfragen von Personalberatern gegeben. Für mich war aber immer die Stadtwerke Bielefeld Gruppe erste Wahl, weil es kaum ein vergleichbares Unternehmen mit dieser Aufgabenvielfalt und Beteiligungsstruktur und den damit verbundenen Herausforderungen gibt. Ein weiterer entscheidender Punkt ist, dass wir uns als Familie in Bielefeld und der Region sehr wohl fühlen und wir auch die Eltern im Alter nicht alleine lassen wollten.

meinReport
Was haben ein Langstreckenläufer und ein Geschäftsführer gemeinsam?
Friedhelm Rieke
Als ehemaliger Läufer beim „Hermann“ und beim „Berlin-Marathon“ kann ich Gemeinsamkeiten bestätigen. Gute Vorbereitung, Motivation und Begeisterung, Disziplin, Ausdauer, Belastbarkeit, Biss und die strategische Vorausschau, was die richtige Kräfteeinteilung angeht – das sind Themen, die bei beiden Aufgaben helfen.

meinReport
Ihre Mitarbeiter erleben Sie als einen sehr nahbaren Menschen und Teamplayer. Und gleichzeitig zeugt Ihre Karriere von Entscheidungsstärke und enormer Zielstrebigkeit. Wie geht das zusammen?
Friedhelm Rieke
Als Geschäftsführer gehört es zu meiner wichtigsten Aufgabe, Mitarbeiter und Führungskräfte zu fördern, aber auch zu fordern und ein gutes Team zu formen. Das ist die Basis des Erfolgs. Das geht nur, wenn man nah an den Menschen ist. Durch mein Elternhaus und meine Familie bleibe ich geerdet. Mir ist bewusst, dass ich auch viel Glück auf meinem Berufsweg gehabt habe.

meinReport
Es gab in Ihren 36 Berufsjahren kein wichtiges Projekt, an dem Sie nicht beteiligt waren: Welche waren für Sie persönlich die wichtigsten Phasen und Projekte?
Friedhelm Rieke
Es gab in den Jahren bei den Stadtwerken Bielefeld auch durch die gravierenden Veränderungen in der Branche für mich einige Highlights; z. B. der Einstieg der Bremer swb AG in 2001 und der Rückkauf 2012. Ein tiefer Einschnitt war in 1998 die Liberalisierung des Strommarktes und die Herausforderungen das Unternehmen zu einem kundenorientierten Dienstleister zu entwickeln. 2015 gelang uns die Mehrheitsübernahme an den beiden MVA´s in Bielefeld und Hameln, die zuvor im Mehrheitsbesitz von E.ON bzw. ab 2012 von EQT waren. Wir konnten ein renditeträchtiges Wachstumspotential erschließen, unsere langjährigen Kernkompetenzen bei Kraft-Wärme-Kopplung und Kraftwerksbetrieb ausbauen und unsere Position für Zukunftsgeschäfte in der Region stärken. Mit dem 2010 entwickelten Konzept zum Ausbau erneuerbare Energien und der KWK haben wir bis heute über 200 Millionen Euro investiert und die mit dem Gesellschafter vereinbarten Klimaschutzziele vorzeitig erreicht. Neben den aufgezeigten Highlights waren der Tunnelbau und die Stadtbahn-Eröffnung am 28. April 1991 ein bewegendes Erlebnis. Und ganz aktuell: Die neuen Zukunftsinvestitionen in einem Volumen von 400 Mio. Euro mit anzuschieben und zu gestalten.

meinReport
In Ihrem Berufsleben gab es sehr viele Höhepunkte, aber bestimmt auch Tiefpunkte. Welche Entwicklungen haben Sie am meisten negativ getroffen?
Friedhelm Rieke
Die Stilllegung des Gemeinschaftskraftwerks Veltheim in 2015 war sehr bitter für mich. Die Schließung war unvermeidlich als Folge einer gut gemeinten, aber schlecht organisierten Energiewende. Veltheim prägte von 1962 an die Stadtwerke-Geschichte als starker Eigenerzeuger. Darüber hinaus auch der Bürgerentscheid gegen den Bau der Stadtbahnlinie 5. Meines Erachtens war damals schon absehbar, dass dies eine falsche Entscheidung im Hinblick auf Mobilitäts- und Stadtentwicklung war.

meinReport
Mit der Liberalisierung des Energiemarktes kam der Wettbewerb um den Verbraucher. Welche Auswirkungen hatte die Marktöffnung speziell in Bezug auf Bielefeld?
Friedhelm Rieke
Das war ein tiefer Einschnitt mit weitreichenden Veränderungen. Wir haben die Chancen des Wettbewerbs genutzt. Wir konnten den Stromabsatz verdoppeln. Der Kunde rückte, wie es sein sollte, in den Mittelpunkt unserer Aktivitäten. Der Erfolg gibt uns Recht. Seit 1998 kann jeder frei seinen Energielieferanten wählen. Wir sind stolz, dass heute noch 85 % unserer Privatkunden Strom und Gas von uns beziehen. Das ist bundesweit ein Spitzenwert. Mit dieser Erfolgsbilanz hätte ich nach 20 Jahren Marktöffnung nicht gerechnet. Aber wir dürfen uns nicht ausruhen. Deshalb investieren wir in Zukunftsfelder wie Glasfaser und weitere Dienstleistungen im Bereich Energie und Mobilität.

meinReport
Sie gehen nun mit 60 Jahren, wie bei Ihrer erstmaligen Bestellung zum Geschäftsführer in 2003 vereinbart, in den Ruhestand. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Friedhelm Rieke
Bei aller Identifikation und Begeisterung: Ich mache einen klaren Schnitt und freue mich auf den neuen Lebensabschnitt. Mehr Zeit für meine vielfältigen Interessen, die bisher aufgrund des engen Terminkalenders zu kurz gekommen sind. Lesen, Reisen, Enkelkinder, Sport, Kultur, Uni, später sicherlich auch Ehrenamt und das alles hoffentlich gesund und zusammen mit meiner Frau. Meine Nachfolge ist mit der Wahl von Rainer Müller bestens geregelt, so dass sich das neu formierte Geschäftsführungs-Duo Müller / Uekmann mit der gesamten Mannschaft weiter für ein lebenswertes Bielefeld einsetzen kann.