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moBiel und Stadtwerke Bielefeld ziehen erste „Friederike“-Bilanz

Bildschirme in der Leitstelle
In der Querverbundleitstelle laufen alle Fäden zusammen. | Foto: Timo Prünte

27.01.2018 | 08:00

Monatelange Schadensbeseitigung – hohe Schadenssumme – verständnisvolle Kunden

Eine Woche, nachdem Orkan Friederike über Bielefeld tobte, ziehen die Verantwortlichen bei moBiel und den Stadtwerken Bielefeld eine erste vorläufige Schadensbilanz. Beide Unternehmen wurden vom Orkan massiv beeinträchtigt. Während moBiel recht schnell zum Normalbetrieb zurückkehren konnte, werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Elektrizitätsversorgung noch viele Wochen mit der Schadensbeseitigung zu tun haben.

moBiel

Ab etwa zwölf Uhr am 18. Januar bis weit in den Nachmittag hinein gingen in der moBiel-Leitstelle beinahe im Minutentakt Störungsmeldungen ein. Die Stadtbahnlinien 2 und 3 konnten für längere Zeit nicht komplett befahren werden, weil jeweils Bäume auf die Gleise gestürzt waren. Hier organisierte moBiel Schienenersatzverkehre mit Bussen.

In der Spitze musste moBiel am Donnerstag letzter Woche außerdem rund 30 Buslinien – und damit fast die Hälfte aller Linien (ohne Nachtbusse) - teils sehr weiträumig und über häufig wechselnde Strecken umleiten oder die Fahrwege verkürzen, weil Bäume im Weg lagen oder Straßen gesperrt waren. Schwerpunkte lagen hier im Süden und Osten der Stadt. Es gelang dem personell verstärkten Leitstellen-Team in Sieker aber, bis auf eine Ausnahme den Betrieb auf allen Bus- und Stadtbahnlinien aufrechtzuerhalten. Lediglich die Linie 122 in Bethel musste für einige Stunden den Verkehr komplett einstellen.

Zwar entspannte sich die Lage am späten Donnerstagnachmittag deutlich, aber noch bis einschließlich Montag mussten einzelne Buslinien immer wieder kurzfristig umgeleitet werden, weil neue Bäume auf die Straßen fielen oder Strecken für Aufräumarbeiten gesperrt wurden.

Die Sachschäden hielten sich bei moBiel in Grenzen. Außer den beiden beschädigten Oberleitungen im Stadtbahnnetz wurden lediglich vier Haltestellenmasten getroffen.

Stadtwerke

Langwieriger als bei moBiel sind die Friederike-Folgen für die Stromversorgung. An 230 verschiedenen Orten im rund 583 Kilometer langen Freileitungsnetz, einige davon auch in Werther und Steinhagen, waren und sind die Netzspezialisten der Stadtwerke im Einsatz. Insgesamt 260 Schäden müssen sie reparieren, denn teilweise wurden an einer Stelle mehrere Leitungen beschädigt. Betroffen sind alle Spannungsebenen und auch Beleuchtungskabel. Weit über 1.000 Schadensmeldungen von Kunden registrierten die Stadtwerke nach dem Orkan. Zunächst ging es darum, die beschädigten Leitungen so zu sichern, dass sie keine Gefahr mehr darstellten, und die Kunden provisorisch wieder mit Strom zu versorgen. Hierfür arbeiteten in der Spitze 70 Stadtwerke-Mitarbeiter bis Sonntagabend fast rund um die Uhr. Am Wochenende erhielten sie zudem Unterstützung von zehn Experten der Stadtwerke Gütersloh und Ahlen.

Am Freitagabend, einen Tag nach dem Orkan, waren nur noch 80 Kunden ohne Strom, am Samstagabend 30. Am Sonntagabend blieben nur noch zwei Häuser an der Lämershagener Straße ohne Versorgung. Hier gab es am Montag Entwarnung. Das Ausmaß der Schäden ist für das Stromnetz in Bielefeld größer als im Jahr 2007 bei Kyrill. Zuletzt vor 30 Jahren – beim Eisregen 1988 – gab es Vergleichbares. Nach ersten vorläufigen Schätzungen wird die Schadenshöhe im mittleren sechs-stelligen Euro-Bereich liegen. Und: Es wird voraussichtlich bis etwa Ende April dauern, bis alle jetzt provisorisch reparierten Leitungsabschnitte endgültig wieder hergestellt sein werden.

Die Geschäftsführer von moBiel und Stadtwerken, Martin Uekmann und Friedhelm Rieke, führen bei ihrer ersten Friederike-Bilanz aber auch positive Dinge an. So habe die Zusammenarbeit mit Behörden wie Polizei und Feuerwehr hervorragend geklappt. Und die Kunden, die teils massiv betroffen waren, seien sehr verständnisvoll und auch voll Anerkennung für die geleistete Arbeit gewesen. „Sie haben erkannt, dass der Orkan uns eine absolute Ausnahmesituation beschert hat. Und haben gesehen, dass zum Beispiel die moBiel-Mitarbeiter alles getan haben, um den Bus- und Bahnverkehr aufrechtzuerhalten,“ so Rieke und Uekmann. Besonderes Lob der Kunden galt dabei den Monteuren, die Tag und Nacht unter sehr schwierigen und auch nicht ungefährlichen Bedingungen die Stromlei-tungen reparierten.

geschrieben von  Birgit Jahnke

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