Erfolgreiches Geschäftsjahr 2016 für die Stadtwerke Bielefeld

14.06.2017 | 08:05

Die Stadtwerke Bielefeld können auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2016 zurückblicken. Trotz der vielfältigen Herausforderungen im Rahmen der Energiewende konnten sie ein operatives Ergebnis von rund 58,4 Millionen Euro (Vorjahr: 23 Millionen Euro) erzielen.

„Obwohl die Energiewirtschaft durch große Umbrüche geprägt ist, haben wir es geschafft unsere gute Marktposition zu halten, in einigen Bereichen sogar auszubauen“, freuen sich Martin Uekmann und Friedhelm Rieke, Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld. „Mit dem überaus erfolgreichen Ergebnis ist es erneut möglich, die Kosten der Verkehrstochter moBiel mit 20,6 Millionen Euro auszugleichen. Außerdem haben die Stadtwerke Bielefeld 33,5 Millionen Euro mehr erwirtschaftet, als eigentlich für das Jahr 2016 geplant waren.“ Das zurückliegende Geschäftsjahr war geprägt von den tiefgreifenden strukturellen Veränderungen im Energiemarkt. Wirtschaftlich schwierige und politisch unsichere Rahmenbedingungen haben die Anforderungen an die Unternehmen verschärft. Der bislang schon hohe Wettbewerbsdruck im Strommarkt erreichte durch den Markteintritt branchenfremder Anbieter eine neue Intensität. „Umso zufriedener sind wir mit unserem Ergebnis, denn es zeigt, dass wir sehr erfolgreich in unserem Geschäft und vor allem wettbewerbsfähig sind“, so Martin Uekmann. „Wir sehen, dass unsere Privatkunden uns die Treue halten, denn die Wechselquote bei Strom und Gas liegt, verglichen mit dem Bundesdurchschnitt, in Bielefeld sehr niedrig. Außerdem greift unser selbst auferlegtes Kostenreduzierungsprogramm schon heute, so dass wir zuversichtlich sind ab 2019 rund 10 Millionen Euro jährlich in der ganzen Unternehmensgruppe einsparen zu können.“

Einen erheblichen Anteil am sehr guten Ergebnis hatten allerdings auch Sondereffekte. Hier macht sich insbesondere der Kauf der Interargem bemerkbar, die aktuell zu 77,84 Prozent den Stadtwerken Bielefeld gehört. Friedhelm Rieke: „Wir haben es geschafft weitere Gebietskörperschaften aus Ostwestfalen und den umliegenden Gebieten an der Interargem zu beteiligen. So konnten wir die kommunale Eigentümerstruktur der Interargem stärken. Die Entsorgung ist genau wie die Versorgung mit Energie, Trinkwasser oder Nahverkehrsleistungen ein wichtiger Teil der Daseinsvorsorge. Der Erfolg in diesem Bereich bestärkt uns darin zusätzlich zu unserem Kerngeschäft, neue Geschäftsfelder zu erschließen, um im Wettbewerb auf Dauer standhalten zu können.“

Kerngeschäft rund drei Millionen Euro über Plan

Die Umsatzerlöse sind im vergangenen Geschäftsjahr deutlich gestiegen. Grund dafür sind unter anderem die größeren Absätze in der Wärmeversorgung, aber auch bei Strom und Wasser.

Aufgrund der kälteren Witterung verbrauchten die Bielefelder Kunden in 2016 mehr Erdgas. Haushalts- und Gewerbekunden verbrauchten 4,3 Prozent mehr. Bei Sondervertragskunden waren es noch gut 3,6 Prozent mehr Erdgas. Die Absatzmenge an Weiterverteiler und im Handel konnte insgesamt um 17,1 Prozent gesteigert werden. „Die Liefermenge an andere Stadtwerke war aufgrund unserer Einkaufskooperationen im vergangenen Jahr wieder hoch“, so Friedhelm Rieke. Insgesamt ist die Gasabgabe damit um sieben Prozent auf 4,5 Milliarden Kilowattstunden gestiegen.

Witterungsbedingt stieg auch der Bedarf an Fernwärme. Der gesamte Fernwärmeabsatz, also Wärme und Dampf, stieg um 1,5 Prozent auf 855,5 Millionen Kilowattstunden. Dies lag auf der einen Seite am erhöhten Bedarf bei Haushalts-, Gewerbe- und Sondervertragskunden während der Heizperioden. Auf der anderen Seite trugen auch die Erfolge bei den Neuanschlüssen an das Fernwärmenetz zur Steigerung des Absatzes bei. Das Fernwärmenetz wurde 2016 um drei Kilometer erweitert. Damit beträgt die Netzlänge jetzt 209,6 Kilometer. Im vergangenen Jahr wurde der 500. Neuanschluss seit Beginn des Fernwärme-Ausbauprogramms der Stadtwerke gelegt. In fünf Jahren konnte die Anzahl der versorgten Haushalte also um rund 20 Prozent gesteigert werden.

Der Stromabsatz liegt mit rund 3,34 Milliarden Kilowattstunden rund ein Prozent über dem Vorjahresniveau. Dies ist vor allem dem Geschäft mit Sondervertragskunden zuzurechnen. Zum Beispiel hat die Westfalen-Bahn im vergangenen Jahr außergewöhnlich viel Strom abgenommen. Grund dafür war die Inbetriebnahme neuer Strecken, so dass sich das Netz der privaten Bahn fast verdreifachte. Dadurch stieg die Absatzmenge bei externen Kunden deutlich um 12,5 Prozent. Die Bielefelder Haushalts- und Gewerbekunden verbrauchten hingegen rund ein Prozent weniger Strom als im Vorjahr. Grund dafür waren neben der allgemeinen Effizienzentwicklung, zunehmende Eigenerzeugung durch EEG-Anlagen und die Wettbewerbsentwicklung.

Die Wasserabgabe belief sich im Geschäftsjahr 2016 auf 17,8 Millionen Kubikmeter. Das sind 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit wurde der seit Jahren anhaltende Trend eines rückläufigen oder bestenfalls stagnierenden Wasserabsatzes unterbrochen.

Sondereffekte machen fast 30 Millionen über Plan aus

Dass die Stadtwerke Bielefeld ein so außerplanmäßig gutes Ergebnis einfahren konnten, liegt im Besonderen an diversen Sondereffekten. Die Stadtwerke haben Anfang 2016 die restlichen Anteile an der Interargem vom bisherigen Mehrheitsanteilseigner EEW vorzeitig erwerben können. Dadurch ist es möglich geworden, die bereits vereinbarte strategische Veräußerung von Anteilen an kommunale Gesellschafter in der Region ebenfalls vorzuziehen. Zur Erleichterung dieser Transaktion war es erforderlich, das Ergebnis der Interargem für 2016 bereits im selben Jahr auszuschütten. Dies macht einen Betrag von 14,7 Millionen Euro aus. In das Jahresergebnis der Stadtwerke Bielefeld sind also die Beteiligungserträge für zwei Jahre eingeflossen, was zu diesem außerordentlichen Ergebnisbeitrag führt.
Für die steuerlichen Risiken aus der Beteiligung am Kernkraftwerk in Grohnde sind in den Vorjahren entsprechende Steuerrückstellungen gebildet worden. Im Zusammenhang mit der Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung sind wesentliche Sachverhalte steuerlich geklärt. Die vorsorglich gebildeten Rückstellungen wurden ergebniswirksam in Höhe von 9,9 Millionen Euro aufgelöst (siehe dazu auch Seite 6).
Außerdem konnte das langjährige Programm zur Sanierung der Graugussleitungen erfolgreich abgeschlossen werden. Die ursprünglichen Planansätze wurden unterschritten und führten zu einem einmaligen Auflösungsertrag in Höhe von fünf Millionen Euro.

Gute Ergebnisse der Töchter geben Rückenwind

Einen positiven Effekt auf die Gesamtbilanz hatten auch die erfolgreichen Geschäftsjahre 2016 der Stadtwerke Tochterunternehmen. Den Verkehrsbetrieben moBiel ist es gelungen die Kostenunterdeckung um 2,6 Prozent auf 20,6 Millionen Euro zu reduzieren. Zudem konnten die Fahrgastzahlen in Bus und Stadtbahn um 2,4 Prozent gesteigert werden, auf 59,6 Millionen.
Die BBF GmbH konnte im vergangenen Geschäftsjahr mehr Gäste in die Hallen- und Freibäder locken. Alle Bäder, inklusive des ISHARA und der Oetker-Eisbahn, verzeichneten 1,34 Millionen Besucher. Im Vorjahr waren es 1,32 Millionen. So ist es erneut gelungen die Verluste der BBF mit 9,8 Millionen unter der angestrebten Zielmarke von zehn Millionen Euro zu halten.
Die Telekommunikationstochter BITel konnte ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr steigern. Außerdem wurden deutlich mehr Kunden an das Telekommunikationsnetz der BITel angeschlossen. Weitere Details zur Bilanz der BITel werden bei einem separaten Pressegespräch am 29. Juni vorgestellt.
Wie bereits erwähnt hatte auch das Ergebnis der Interargem großen Einfluss. Das Unternehmen blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2016 zurück. Vorbehaltlich der Feststellung des Jahresabschlusses durch die Gesellschafterversammlung konnte die IAE ein Ergebnis von 18,2 Millionen Euro erzielen – rund zwei Millionen mehr als im Jahr zuvor. In den Verbrennungsanlagen in Bielefeld und Hameln wurden rund 681.000 Tonnen Abfall verarbeitet. Der Stromabsatz lag demnach bei 322 Millionen Kilowattstunden, womit insgesamt 115.000 Haushalte versorgt werden konnten. Der Fernwärmeabsatz lag bei rund 593 Millionen Kilowattstunden, mit denen rund 39.500 Haushalte versorgt werden konnten.

Vorsichtiges Wirtschaften zahlt sich aus

Ende 2016 wurde das „Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung" verabschiedet. Die Betreiber der Kernkraftwerke sind demnach auch zukünftig für die gesamte Abwicklung und Finanzierung der Bereiche Stilllegung und Rückbau der radioaktiven Abfälle zuständig. Für die Durchführung und Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung wird hingegen zukünftig der Bund verantwortlich sein, nachdem er von den Betreibern die erforderlichen Mittel als Grundbetrag plus Risikoaufschlag für Unwägbarkeiten erhalten hat. Friedhelm Rieke: „Damit ist die Frage über die Kosten der Endlagerung radioaktiver Abfälle endlich geklärt. Dies verschafft uns Planungssicherheit, die wir für die Verpflichtungen aus dem Kernenergiebereich und für anstehende wichtige Zukunftsinvestitionen benötigen.“ Martin Uekmann ergänzt: „Wie bereits angekündigt werden die Stadtwerke Bielefeld als Mitgesellschafter am Kernkraftwerk Grohnde den anteiligen Grundbetrag und den Risikoaufschlag finan-zieren können. Die bisher von uns getroffenen Vorsorgebeträge reichen aus, da wir in der Vergangenheit bereits eine vorsichtige und konservative Bewertung vorgenommen haben.“ Bezogen auf die Stadtwerke Bielefeld wird für Grohnde ein Grundbetrag von 177 Millionen Euro fällig. Der Risikoaufschlag liegt bei 63 Millionen Euro. Somit ergibt sich eine Zahlungsverpflichtung für die Enthaftung von insgesamt 240 Millionen Euro.

Ausblick auf das Geschäftsjahr 2017

„Trotz aller Gegenmaßnahmen, die schon getroffen wurden, wird der tiefgreifende Umbau der Energiewirtschaft unser Unternehmen auch weiterhin belasten. Wir stellen uns für die nächsten Jahre auf instabile Rahmenbedingungen und eine weiterhin unbeständige Marktsituation ein“, stellt Martin Uekmann fest. „Der Wettbewerb auf den Energiemärkten wird noch an Intensität zulegen. Gleichzeitig wird die Lage der Energieversorger durch die weiterhin niedrigen Strompreise erschwert.“ Gleichzeitig steigen Steuern, Umlagen und Abgaben weiter und belasten die Strompreise für die Kunden in der Grundversorgung. Dies erhöht die Anreize zur Eigenstromerzeugung und -versorgung sowie zum Energiesparen. Auch das erwartete Wirtschaftswachstum bringt für die Energiebranche kaum Impulse, da die Energienutzung effizienter wird und in einzelnen energieintensiven Branchen der Absatz zurückgeht. Martin Uekmann betont: „Deswegen gilt, trotz des guten aktuellen Ergebnisses, dass wir mittelfristig von einem Erlösrückgang ausgehen.“
Im Wandel hin zur verstärkten Nutzung erneuerbarer Ressourcen und einer höheren Energieeffizienz sehen die Stadtwerke Bielefeld aber auch wirtschaftliche Chancen. Friedhelm Rieke: „Wir können auf eine breite Basis an Geschäftsfeldern aufbauen und erweitern und stärken unsere Beteiligungen auch durch die Kooperation mit Partnerunternehmen. Von der vorzeitigen Übernahme der restlichen Anteile an der Interargem GmbH erwarten wir auch langfristig positive Einflüsse auf unsere Erfolgsplanung, so dass wir für 2017 die Aussichten sehr positiv einschätzen. Schon jetzt lässt sich sagen, dass wir über dem Planergebnis von 11 Millionen Euro liegen werden.“  

geschrieben von  Lisa Schöniger

zurück zu Aktuelles